Das Drama (mit) der Gerechtigkeit

In Kooperation mit der Franz-Kafka-Gesellschaft ist das Essay Das Drama (mit) der Gerechtigkeit entstanden.

In dem Text schaue ich mir Prozess-„Geschichten“ aus dramaturgischer Perspektive an.

Machen wir uns das Vergnügen (oder die Mühe) und betrachten wir die Situation vor Gericht – Anklage, Verhandlung, Urteil – als wäre sie eine Geschichte, genauer noch: als einen Film. Denn jeder Inszenierung, also auch der Verhandlung, liegt eine Erzählung zugrunde und jeder Erzählung wiederum wohnt ein universeller Aspekt inne. Das betrifft auch die „Geschichte“, die uns im und aus dem Gerichtsraum entgegenschlägt, …

Es stellt sich die Frage, wie wir in Zeiten hochemotionalisierter Prozesse zu einem Urteil kommen können, dem ein Prozess der Reflektion vorausgeht. Nur die Reflektion kann Affekte, die unmiitelbar auftreten und nicht selten der Projektion dienen, in Mitgefühl verwandeln.

Da jede Form der Inszenierung emotionalisiert, auch ungewollt, braucht es ein Verständnis davon, wie und durch welche Mittel Emotionen im szenischen Rahmen aktiviert werden, zumal dann, wenn die Emotionalisierung der Öffentlichkeit überhandnimmt. Wichtig bleibt hier, die Vorgänge vor Gericht davon unbeeinflusst zu lassen, statt die einmal aktivierten Emotionen auch noch zu bedienen, nur um der Öffentlichkeit zu gefallen, beziehungsweise der eigenen Eitelkeit zu erlauben, innerhalb des Verfahrens in Posen zu verfallen, wie es Hannah Arendt im Eichmann-Prozess dem Staatsanwalt Gideon Hausner attestierte […] Emotionalität darf die ja anzustrebende Objektivität nicht ablösen, während zugleich Klarheit darüber herrschen sollte, dass es keine Objektivität geben kann, in keiner Erzählung. Und jedes Strafverfahren IST eine Erzählung, auch wenn sie innerhalb des Gerichtssaals als Sachlichkeit inszeniert wird.

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