In Hinblick auf das anzunehmende Leseverhalten der Kinder verstehe ich im Übrigen nicht, warum die Verlage den Kindern nur mehr kurze Sätze zumuten wollen, wie erst neulich ein mir unbekannter Verleger am Telefon zu mir sagte: »Kurze Sätze und wörtliche Rede, also bitte, schreiben Sie bloß keine indirekte Rede«; er habe bemerkt, wie sehr ich das möge. Dass ich die indirekte Rede in meinen Texten liebe, ist auch mir bereits aufgefallen, obwohl es mich wundert, weil ich meiner norddeutschen Herkunft gemäß gewöhnlich für das Direkte bin und deshalb ja oft anecke in Österreich, in einem Land, das es lieber indirekt zu mögen scheint, dafür rund und geschmeidig. Beim Schreiben erscheint es mir dagegen ebenfalls angenehm, indirekt zu bleiben, weil die geschriebene Sprache ja ohnehin keinen direkten Weg zurücklegt, anders als es das gesprochene Wort tut, in Norddeutschland häufiger als hier, und so denke ich logischerweise, minus plus minus ergibt plus, was mathematisch gesehen vollkommen korrekt ist, auf die Schriftsprache bezogen allerdings überprüft werden sollte. Auf meine Frage, warum er etwas gegen die indirekte Rede in Büchern für Kinder habe, meinte der Verleger, dass die Kinder indirekte Rede nicht verstünden. Und als ich es mit dem Argument versuchte, durch die verstärkte Lektüre indirekter Rede könne sich das ja ändern, legte er auf. (aus: Drei Tage drei Nächte, Septime-Verlag 2018, S. 199)

Womöglich sehen sich genau aus diesem Grunde Männer wie Frauen bemüßigt, ihre Schamhaare zu rasieren: um dadurch das Gefühl des Kindlichen herauf- und die Zeit vor der Pubertät zurückzubeschwören, ohne sich vermutlich darüber im Klaren zu sein, warum sie das tun; so gehorchen wir stumm der Diktatur des Mammons, in diesem Falle den Herstellern von Enthaarungsprodukten, der wir bereits dermaßen verfallen sind, dass uns der Haarwuchs unhinterfragt unhygienisch erscheint, wir also den ganzen industriellen Werbe-Quatsch glauben und dabei zu vergessen geneigt sind, dass Haare ehemals als Symbol der Kraft und der Potenz gegolten haben und deshalb im Schambereich logischerweise dann wachsen, wenn der Mensch Geschlechtsreife, sprich: Potenz erwirbt, eine Potenz, auf die nun freiwillig verzichtet wird. Sag jetzt nichts; ich spüre deine kritischen Augen, die mich in diesem Punkt verfolgen.