Am Ende des Tages ist das Dunkel und darin ich. Und auch am Anfang stand das Dunkel, während ich in meiner Wiege lag und schrie, bis ich dann schwieg und an diesem Schweigen beinahe gestorben wäre, weil alle dachten, sie meldet sich nicht, also wird sie wohl keinen Hunger haben.

So beginnt der Text „Die vergessene Wiege“, der bereits in der Sendung „Neue Texte“ auf Ö1 gesendet wurde. In ungekürzter Fassung bekommt der Monolog über die Stimmlosigkeit der Mütter abermals eine Stimme verliehen, und zwar von dem wunderbaren Gunther Grasböck.

Nachzuhören sind die ersten beiden Teile unter:

https://cba.fro.at/550514 und https://cba.fro.at/556208

Der dritte Teil wird am 28. Mai um 9.45 erstmals ausgestrahlt: https://cba.fro.at/557976

Ja, lausch nur: Ich summe mir das Mehr herbei, nicht unähnlich deiner Melodie, da staunst du, und dann höre ich mir eine Weile zu, bevor es still wird, abermals still.

 

Kopfkino. Bericht aus dem Inneren.

Ursprünglich als Filmprojekt geplant konzipiere ich derzeit einen Theaterabend, der auf einzelnen, intimen Gesprächen mit Männern zwischen 17 und 65 Jahren basiert. Sie wurden und werden von Christian Oberndorfer und mir geführt. Dadurch dass wir ihnen den Raum schenken und einfach zuhören, kann zu einer ungewohnten Art der Offenheit gefunden werden, die männliche Sexualität in all ihren Facetten miteinschließt. Die Interviews geben Einblick in Vorstellungen, die Männer in Bezug auf das Thema Sex entwickeln, auch in Hinblick darauf, wie diese sich im Laufe der Jahre verändert haben: Welche Bilder gibt es über den Sex und beim Sex? Wo führen diese männlichen Bilder möglicherweise zu Verbiegungen, wenn sie innerhalb der Paarbeziehung tabuisiert werden müssen?

Müssen sie?

Anonymisiert werden die Interviews, von drei Schauspielern gesprochen, schließlich in einem spartanisch eingerichteten Bühnenraum öffentlich gemacht: unkommentiert, unzensiert, unbewertet. 

Wir glauben, dass die Auseinandersetzung mit Männlichkeit ein Gewinn für alle sein kann, denn obgleich so viele Formen von Männlichkeit existieren, wie es Männer gibt, ist das Männlichkeitsbild im Patriarchat weltweit starr und aufgeladen von althergebrachten Klischees wie Leistungsfähigkeit, Potenz, Dominanz, Selbstbeherrschung. Oder um es mit JJ Bola zu sagen: „Männer ist nicht gleich Patriarchat. Es braucht eine Männlichkeit, welche die Notwendigkeit für Geschlechtergerechtigkeit erkennt und sie sich auch  herbeiwünscht.“

Kann die Reflexion darüber die Erwartungen an das eigene Männer-Ich eine partnerschaftliche Liebesbeziehung positiv revolutionieren?

Wir suchen übrigens auch weiterhin Männer zwischen 17 und 65 Jahren, die bereit sind, sich auf ein Gespräch einzulassen. Bei Interesse bitte mich kontaktieren.

Als Alsergrunder Bezirksstipendiatin widmete ich mich in den vergangenen Monaten Anna Freud. Nicht über sie schreibe ich, wohl aber motivisch um sie herum: in einem fiktiven Briefwechsel an ihre Freundin Edith berichtet die junge Martha von einer unerwarteten Begegnung mit der jungen Anna, die aus einer vergangenen Zeit zu ihr spricht. Martha ist gerade erst von Deutschland nach Wien übersiedelt, um Abstand zu ihrem Vater zu gewinnen und begibt sich hier, unvermittelt und nicht ganz freiwillig, in die Eigenanalyse.

[…]

Liebe Edith,

die junge Frau hatte nicht auf der Bank am Ari-Rath-Platz gesessen, obwohl ich bis am späten Abend dort Wache hielt, und deshalb nutzte ich stattdessen den frühen Morgen, mich auf ein Wiedersehen durch das Schaufenster vorzubereiten. Noch bevor ich das Wechselgeld nachzuzählen begann und die Waage einschaltete, steckte ich den Schlüssel von außen in die Ladentür, als Schlüssel zum Unbewussten gewissermaßen, und befestigte das Schild Komme gleich wieder an der Tür, die ich anschließend offenließ, auf dass es niemanden irritiere.

Oder als Einladung an sie.

Tatsächlich sah ich sie wenig später herannahen. Und dieses Mal bildete ich mir ihre Erscheinung nicht ein. Kurz nur betrachtete sie die Auslage, ich glaube, es ging ihr um eine Teekanne aus Usbekistan, aber sie schien in Eile, das Leben rief nach ihr, vermute ich, aber als sie zum Weiterschlendern ansetzte, lief ich, nicht minder eilig, hinaus, verschloss den Laden und nahm die Verfolgung auf, in vollem Vertrauen darauf, dass sie mir den richtigen Weg weisen würde.

Sagen wir: einen beliebigen Weg.

Ich verlor sie in der Berggasse. Eben noch hatte ich sie vor mir gehen sehen, dann war sie weg.

[…]

Eine erste Lesung von Auszügen des Textes fand am 25. Mai 2022 um 19.00 Uhr in der Bibliothek des Freudmuseums, Berggasse 19, 1090 Wien statt. Ich bedanke mich an dieser Stelle nochmals bei Friedrich Hahn als Initiator und Juror des Stipendiums, Saya Ahmad als Bezirkschefin Alsergrund für ihre engagierte und zugewandte Moderation sowie Peter Nömaier vom Freud-Museum Wien.

Mein noch unveröffentlichter Jugendroman Alienation hatte am 17. Januar am Landestheater Linz unter der Regie von Nele Neitzke Premiere. Eine frei verkäufliche Vorstellungen gibt es noch am 13. Februar.

Jugendliche denken. Sie denken sich eine neue Welt und stellen sich mit diesen Gedanken in eben diese Welt, auf dass sie neu erdacht werde.

Oder – wie meine HeldIN Nikola es ausdrückt:

So bewegte ich mich einige Tage lang hinter verborgenen Türen, zu denen allein ich den Zugang besaß, und setzte dabei meine Hilferufe ab, und für kurze Zeit fühlte ich mich wie Theseus (DER Held!) im Labyrinth, der Ariadnes Faden folgt, in der Gewissheit, sicher geleitet zu werden. Es war durchaus möglich, sich im Netz zu verirren, ich wäre nicht die Erste gewesen, die nie wieder hinausfindet.

Wo führt das hin?

Ins Netz, richtig. Auf oder in oder mit der Netzbühne.

 

Wenn es etwas auf der Welt gab, das Jon am allerliebsten mochte, dann waren es Zimtschnecken./ Gezwirbelte, zimtzuckrige Teilchen vom Bäcker nebenan.

Und ich mag die warmen Zeichnungen, die Thais Mesquita meiner Geschichte über Jon und seine neu geborene Schwester geschenkt hat. Das Bilderbuch erscheint im Frühjahr im mixtvision-Verlag und kann bereits in allen (unabhängigen kleinen!) Buchläden vorbestellt werden.

Gewidmet habe ich den Text meiner älteren Schwester, die es sicher nicht immer einfach hatte mit mir. Ich lade sie dafür hin und wieder auf eine Zimtschnecke ein. Und glücklicherweise hat sie ja einen Garten mit schönen Bäumen.

Und mich.

Und sich.

Und ich habe dieses Buch in meinen Händen.

Gerda Lischka leiht meinem Text „Die vergessene Wiege“ in gekürzter Lesefassung im ORF ihre Stimme und trifft genau den Ton – wie wunderbar!

Der Text ist von mir als Ode an die Generationen von Müttern gedacht, die vor uns gelebt haben und ins Vergessen gerutscht sind. Denn je älter ich selbst werde, desto zorniger (oder auch: ratloser, aufmerksamer?) lassen mich Geschichten von (nun erwachsenen) Kindern werden, die um die Leistungen der Väter kreisen, sodass oftmals der Eindruck entsteht, es habe nie je eine Mutter existiert oder jedenfalls nichts Nennenswertes beigesteuert durch ihr Sein. Ihre Stimme verstummt mit ihrem Tod, kein schriftliches Zeugnis wird hinterlassen, keine materielle Spur. Hier also der Versuch, sie hörbar werden zu lassen, diese Stimmen.

Jede Frau kann stolz sein auf ihre (oftmals doppelte) Produktivität. Nur über das Lebendige kommt Leben in die Welt. Mir geht es um das Bewusstsein über den Wert der Mütterlichkeit (der entsprechend honoriert gehörte, das auch), die im Übrigen nicht mit Mutterschaft gleichzusetzen ist, das heißt, daraus lässt sich keineswegs ableiten, wem die Familenarbeit obliegt.

Mein Dank gilt Judith Raab für die redaktionelle Betreuung.

 

Und sie spricht doch …

… Und dann: Der letzte Stein. So war das. Und siehe da: Ein Wunder geschah …

„Bist du das Kirche?“, fragt der Chronist, der sich anlässlich des 501-jährigen Bestehen der Kirche Ottensheim einfindet. Und sie antwortet. Am 23.10. hatte mein Text „Und sie spricht doch“ seine Ur- und Letztaufführung in der Pfarrkirche, die einmal ihre Stimme erheben durfte.

CHRONIST
Ich wusste gar nicht, dass du soviel von dem mitbekommst, was draußen geschieht.

KIRCHE
Hier drinnen wird all das verhandelt, was dort vor sich geht.

CHRONIST
Ich mag dein Innenleben.

Gemeinsam reisten Chronist und Kirche durch die letzten 501 Jahre im Leben der Kirche, begleitet von unerwarteten Gästen und Musik. Selbst die Orgel durfte zu Wort kommen (und zu Stimme) – sie wurde 1888 vom Orgelbauer Leopold Breinbauer erbaut:

ORGEL
Und zwar hier vor Ort, denn im Jahr 1844 entstand in Ottensheim eine Orgelbauanstalt.

Und natürlich unter Beteiligung vieler Ottensheimer und Ottensheimerinnen, darunter die beiden Chöre Tonart und Cornetto, die für uns die Glaubenskämpfe darstellten.

KIRCHE
Aus allem machst du eine Glaubensfrage! Heute ist mein Geburtstag und alles möglich.

CHRONIST
Ich glaube nicht … dass ich mit dir über Glaubensfragen diskutieren möchte.

Danke der Pfarre Ottensheim für die wunderbare Erfahrung! Und Thomas Bammer für die gemeinsame Arbeit am Text und seine Regie.

 

 

Für meine geplante Erzählung In der Berggasse wurde mir das Alsergrunder Bezirksstipendium 2021 verliehen.

Es geht um die Begegnung zwischen der Studentin Martha mit der 15-jährigen Anna Freud, die um die Jahrhundertwende mit ihrer Familie im 9. Bezirk in der Berggasse wohnte – ein Tagtraum?

In Marthas Niederschrift vermischt sich ihr Erleben mit der Dokumentation ihrer Träume und Analysen des Geschriebenen, sodass zugleich Einblicke in das Innenleben der Erzählenden gewährt werden. Wie Martha hegte auch Anna Freud literarische Ambitionen, bevor sie sich gänzlich der Psychoanalyse zuwandte. Die Nähe von Literatur und Psychoanalyse beschäftigt mich selbst seit meinem Studium – wie schrieb Sigmund Freud an Schnitzler? „Ich habe immer wieder, wenn ich mich in ihre schönen Schöpfungen vertiefe, hinter deren poetischen Schein die nämlichen Voraussetzungen, Interessen und Ergebnisse zu finden geglaubt, die mir als die eigenen bekannt waren.“

Ich danke dem Alsergrunder Bezirksamt und dem Initiator des Stipendiums, Friedrich Hahn, herzlich für diese Auszeichnung.

Foto: BV09

Wir werden so lange werkeln, bis alles ist, wie wir es haben wollen …

lautet ein Satz aus meinem noch nicht uraufgeführten Theaterstück Der Schwierige Raum.

Am 4. Juli gibt es um 19.30 Uhr eine Online-Lesung für drei Stimmen, gefördert vom Land Oberösterreich im Rahmen von art@home. Zu hören ist eine stark gekürzte Version des Stückes mit anschließender Publikums-Abstimmung, bei der alle im Laufe des Abends aufgeworfenen Überlegungen zu Themenfeldern wie Gemeinschaft, Umwelt, Familie samt Details zur Abstimmung gebracht werden, denn

Zukunft muss man gemeinsam träumen. Neue Begriffe ermöglichen neues Denken und damit vielleicht auch eine andere Beziehung zur Welt. (Ariadne von Schirach, Die Psychotische Gesellschaft)

Und so, wie die Utopie der (noch) Nicht-Ort ist, so ist der digitale Raum eine (noch) Nicht-Realität. Eine Test-Realität, sprich: ein Utopie-Trainingscamp.

In diesem Sinne: Lasst uns werkeln …

Kommentare zum Thema und Vorschläge für die utopische Welt sind herzlich willkommen; gern auch zu einem späteren Zeitpunkt hier auf meinem Blog.

Es lesen: Corinna Antelmann. Thomas Bammer. Florentina Kutschera/ Digitalisierungsberatung: Christian Oberndorfer

Link zur Veranstaltung: https://m.youtube.com/user/corinnaantelmann/videos (das Video wird ab ca 19.15 Uhr zu sehen sein und startet von selbst um 19.30) – hier ist der Abend auch nachzusehen für alle, die es interessiert.

 

Bald schon gibt es Literatur zum Anziehen!

Gemeinsam mit der Lyrikerin Siljarosa Schletterer, Grafikerin Rosanna Schmidle und Lebenskünstlerin Maria Schätzer ist ein Kollektiv im Entstehen, das Projekte von Künstlerinnen bündelt und über das Label UNSERDING präsentiert: frisch, inkludierend, vielfältig, stark, modern.

Ein Ding kann Gegenstand sein oder dem Wortursprung [mittelhochdeutsch dinc] nach eine gemeinschaftliche Versammlung. Mit einem Ding wird ein schwer fassbarer fluktuierender oder nicht genauer definierbarer Begriff beschrieben.  Literatur kann ein solcher Gegenstand sein und über alle Gattungsgrenzen hinweg ansprechen und anziehen. Und genau das wollen wir sein und in Gang setzen: eine Aktion zwischen den Stühlen.  Eine neue Art von Literaturvermittlung.

Über die Buchdeckel hinaus.

Dabei werden Produkte wie Shirts und Kleider mit ausgesuchten Sätzen zur spielerischen Sprachvermittlung genutzt. Eine Aktion mit anziehender Literatur, um eine allumfassende Anziehung zu dem, was wir produzieren und zur Diskussion stellen, zu gewährleisten.

Frei nach dem Motto: In Zeiten, wo wir die Literatur nicht zum Publikum tragen können, kann das Publikum die Literatur tragen … Und sowieso: Immer.

Auch zum Online-Event Wir werden werkeln … am 4.7.2021 bieten wir Hoodies und T-Shirts an, unter anderem mit dem Satz, der titelgebend ist.