Um es mit Konrad Bayers Worten zu sagen: „allgemein ist neben dem fahrrad weniger vielleicht. wird das fahrrad solchermassen beiläufig zweifellos?“ (Konrad Bayer: Sämtliche Werke. Überarbeitete Neuauflage 1996, 1985/2018. Klett-Cotta: S. 448). Nachdem mir das Fahrrad gestohlen worden ist, das mir der Freundeskreis der Künstlerwohnung Soltau e.V. netterweise zur Verfügung gestellt hat, war es hilfreich, Konrad Bayer zur Hand zu haben. Ansonsten war es hilfreich, im Herzen der Lüneburger Heide über der Bibliothek Waldmühle an einem neuen Roman schreiben zu können und öffentlich zu lesen.

Gastaufenthalte sind ein wichtiger Teil der Kulturförderung, allen Stimmen, die zuletzt dagegen gehetzt haben (nicht zuletzt aufgrund von möglicherweise missverständlichem Verhalten einiger StipendiatInnen), möchte ich entgegenhalten: Wir arbeiten. Und: Es liegt ein unschätzbarer Wert darin, außerhalb der alltäglichen Verrichtungen wiederum der inneren Stimme zu lauschen. Das gilt nicht allein für AutorInnen, aber möglicherweise liefern sie diesen ihren Beitrag: dass sie den inneren Stimmen eine Stimme verleihen und sich den Raum dafür nehmen, dieser Stimme eine Form zu verleihen. Ihn zur Verfügung gestellt bekommen. Ich möchte mich bei dem Freundeskreis bedanken: für das Rauschen der Wassermühle, die wunderbare Betreuung, die Möglichkeit, ungestört arbeiten zu können. In Norddeutschland bin ich aufgewachsen, so heiß wie jetzt im Juli war es nie; der Klimawandel macht sich bemerkbar. Auch in Bezug darauf sollte weiterhin die Stimme erhoben werden. Der Rest ist Konrad Bayer.

Spargel in Afrika ist ein gemeinsames Theaterprojekt mit Thomas Bammer, ein Monolog, geschrieben für ihn, basierend auf Erinnerungen an seinen Vater, meinem Schwiegervater. Erzählt wird die Geschichte eines Sohnes, der in Kürze in der Generationenfolge aufrücken wird. Das Stück reflektiert das Verhältnis von Vater und Sohn, gespielt von einem Schauspieler und einer Puppe, und thematisiert zugleich den Blick des Sohnes in seine eigene Zukunft als alter Mann. Zugrunde liegen dem Text Gespräche mit beiden Männern, die gleichsam fiktionalisiert worden sind.

In der Absicht, seinen neunzigjährigen Vater zu besuchen, findet ein Sohn nicht das vor, was er erwartet hatte. Es beginnt eine Reise durch fremde Länder, gemeinsame Erinnerungen, gutes Essen und gelebte und nicht gelebte Emotionen und Konflikte. Und immer wieder kreist das Gespräch um den Genuss und die Zubereitung von Mahlzeiten und der Frage, wer für wen Sorge zu tragen habe. „Was fehlt dir, Vater?“, frage ich ihn und gebe mir die Antwort selbst: „Nichts natürlich. Du hast alles, was du brauchst.“

Text: Corinna Antelmann
Regie: Julia Ransmayr
Spiel und Produktionsleitung: Thomas Bammer
Puppe: Marianne Meinl
Assistenz Puppe: Simone Riedl
Puppengarderobe: Sandra Sekanina
Video: Stefanie Altenhofer

Nächster Spieltermin: 20. November im Kulturzentrum AKKU, 20 Uhr, Färbergasse 5, Steyr

Rezensionen von Peter Klimitsch und Rudolf Habringer.

Die Komponistin und Geigerin Irene Kepl und ich haben uns zusammengefunden, um Violinenspiel und Romanauszüge zu einem textuellen Gewebe aus Musik und Sprache, Improvisation und Gedrucktem zu verbinden.

KA PUNKT

„Öffne deinen Schädel doch nur einen Spalt, damit ich deinen
Geist ertasten kann. Ich kann mir diese Textzeile gut merken,
da ich sie immer melodisch gesetzt höre und Musik
bekanntlich hilfreich ist in Sachen Erinnerung oder auch: verfälschter Erinnerung.“
(Corinna Antelmann, Drei Tage Drei Nächte. Roman, Septime 2018)

Zugrunde liegt dem Programm der Roman Drei Tage drei Nächte (Septime-Verlag, März 2018). Hierin bewegt sich die Protagonistin um ihre Gedanken kreisend; Irene Kepl wurde kürzlich die CD von Violet Spin veröffentlicht (unit records, 2018), letztes Jahr hat sie u.a. sehr erfolgreich ihre erste Solo-CD SololoS (fou records, 2017) herausgebracht und arbeitet aktuell bereits an neuen Solo-Aufnahmen, die sich mit eigenen Kompositionen, Improvisationen und Bachs Solosonaten auseinandersetzen.