„Gute Erholung“, sagt mein Freund Oliver, als er erfährt, dass ich in Bad Hall einen Monat lang an meinem neuen Roman arbeiten werde.

Was bedeutet: Die Arbeit an einem Roman? – Sitzen, schreiben, schreibend sitzen, sitzend schreiben. Denken? – Auch. Gehen? – Um zu denken.

«Man muss über jeden Gedanken froh sein – merk dir das – ; verachte es nie, sorgsam irgendeinen Gedanken in irgendeinem Moment zu notieren.» (Ludwig Hohl)

Wieder schreiben. Und dabei jede Form der Zerstreuung meiden und versuchen, Kontakt herzustellen: mit sich selbst, der Welt, dem Vorhaben. Das ist der Sinn von Auszeiten und die Sinnhaftigkeit von Aufenthaltsstipendien (dem Land Oberösterreich sei Dank): Den Kopf zu durchlüften, denn nur ein freier Kopf kann … erfinden, wie es Handke postuliert, der Lebensspur folgen (Christa Wolf), schöpfen, finden, zusammenfügen, erahnen …? Die Arbeit an einem Roman kann vieles sein, aber sie benötigt einen Raum. Und Zeit. Und Geld.

Warum noch schreiben?

Um die Räume des Möglichen zu bewahren. Sich anzubinden an das Sein. Dem Gerenne entkommen, vielleicht dem Tun (auch Schreiben IST ein Tun). Der Technik, dem Technischen, dem Wettlauf mit der Zeit, den Wettlauf mit „dem Markt.“

Ich unterrichte Plotstrukturen und widme mich derzeit (dennoch?) dem Thema: Braucht es eine Handlung? Sind Erzählstrukturen (wie wir sie kennen) männlich? Ist das Fiktive dem Alltag überlegen? Die Reflektion der Abbildung? Oder umgekehrt? Das Denken der Erscheinung? – Lässt sich die Essenz des Lebens erahnen im Prozess des Gestaltens selbst?

In dem Manuskript, an dem ich gerade arbeite muss sich mein Protagonist von seiner Geiselnehmerin (die ihn zum Innehalten zwingen will) Folgendes anhören: „Vorschnelle Handlungen lassen die innere Stimme verstummen, ja, viele Menschen gönnen sich keine Ruhe vor Handlung und Bewegung, eben um dieser inneren Stimme auszuweichen.“ Und damit schaltete sie das Licht aus.

„Und warum?“, so fragt er am Ende die Frau, „warum hast du beim Schreiben schlussendlich Handlung eingebaut und diese Handlung auf ein Ziel hin angeordnet? Wenn du doch eine Frau bist?“

Die Antwort steht geschrieben.

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