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Weniger pervertiert, also in einem Sinne normal, wäre es dagegen, die Kinder als Liebe empfindende und empfangende Wesen aufwachsen zu lassen, auf dass sie liebesfähig werden, ohne Angst vor Frauen und Sexualität verabreicht zu bekommen, ohne Angst vor dem strafenden Gott, dem strafenden Gesetz, dem Entzug von Liebe, die den mit Angst besetzten Menschen ja nur dazu bringt, später mit ebendieser Angst loszumarschieren, um selbst Angst zu verbreiten. Denn dass die Grenze vom Denken zum Tun durchaus überschritten wird und zwar weniger selten, als wir es uns wünschen würden, wissen wir nicht erst seit den jüngst verstärkt offenbarten Missbrauchsgeschichten. Und sollte der Priester dort vorne ein Grenzüberschreitender sein, würde meine Vermutung, er teile seine Sexualität ausschließlich mit sich selbst, auf unschöne Weise widerlegt. Aber das ist nach wie vor allein ins Blaue gesponnen, um Verbindungen zwischen dem einen und dem anderen Thema herzustellen und den Gedanken auf diese Art eine kreisrunde Form zu verleihen, ohne den Priestern im Allgemeinen und diesem Priester im Speziellen gerecht zu werden. In Wirklichkeit nämlich saß ich mit ihm nie in einem Kaffeehaus, wo er sich mir hätte offenbaren können, so wie es der mit mir befreundete impotente Mann getan hat, der immer viel und gern von sich und seinen heimlichen Begierden erzählte, die fortan nicht länger heimlich für mich waren. Allerdings standen diese Begierden nie mit Pädophilie im Zusammenhang, sondern mit dem inneren Widerstreit, eine geliebte Frau anfassen zu dürfen, was er als irgendwie entheiligend empfand, und da die Liebe und das Heilige für ihn zusammengehörten, die Sexualität ihm jedoch, wohl aufgrund seiner katholischen Vergangenheit, als ungeheuer unheilig galt, musste er sexuell auf Fantasien ausweichen, die möglichst wenig mit Liebe zu tun haben sollten … (aus: Drei Tage drei Nächte, Septime-Verlag 2018, S. 146)

Ein Filmtipp: Der kürzlich herausgekommene Dokumentarfilm Female Pleasure, der in den meisten Städten leider nur nachmittags läuft, also dann, wenn kaum jemand sich ins Kino verirrt. Warum? Wer hat …?