In Hinblick auf das anzunehmende Leseverhalten der Kinder verstehe ich im Übrigen nicht, warum die Verlage den Kindern nur mehr kurze Sätze zumuten wollen, wie erst neulich ein mir unbekannter Verleger am Telefon zu mir sagte: »Kurze Sätze und wörtliche Rede, also bitte, schreiben Sie bloß keine indirekte Rede«; er habe bemerkt, wie sehr ich das möge. Dass ich die indirekte Rede in meinen Texten liebe, ist auch mir bereits aufgefallen, obwohl es mich wundert, weil ich meiner norddeutschen Herkunft gemäß gewöhnlich für das Direkte bin und deshalb ja oft anecke in Österreich, in einem Land, das es lieber indirekt zu mögen scheint, dafür rund und geschmeidig. Beim Schreiben erscheint es mir dagegen ebenfalls angenehm, indirekt zu bleiben, weil die geschriebene Sprache ja ohnehin keinen direkten Weg zurücklegt, anders als es das gesprochene Wort tut, in Norddeutschland häufiger als hier, und so denke ich logischerweise, minus plus minus ergibt plus, was mathematisch gesehen vollkommen korrekt ist, auf die Schriftsprache bezogen allerdings überprüft werden sollte. Auf meine Frage, warum er etwas gegen die indirekte Rede in Büchern für Kinder habe, meinte der Verleger, dass die Kinder indirekte Rede nicht verstünden. Und als ich es mit dem Argument versuchte, durch die verstärkte Lektüre indirekter Rede könne sich das ja ändern, legte er auf. (aus: Drei Tage drei Nächte, Septime-Verlag 2018, S. 199)

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