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Wie schön ist das! Sabrina Worsch liest meine bisher unveröffentlichte Erzählung TAHOTO! Neu erschienen in der Hörbuchedition words&music.

Ist Tahoto dein richtiger Name, fragte ich ihn kauend, oder der Name einer Stadt in Japan?, aber er antwortete nicht, sondern lächelte, wie er immer lächelt, wenn er geheimnisvoll wirken will, was seiner steten Absicht entsprechen dürfte, und dann knöpfte er langsam sein Hemd auf.

Die Geschichte beschreibt den labyrinthischen Weg der jungen Mathematikerin Mila, die über die Begegnung mit dem Japaner Tahoto ihr bisher fremd gebliebene Aspekte in der eigenen Familiengeschichte aufdeckt.

In wieviele Spiegel habe ich geschaut, nur hinter diesem einen saßest du, saß ich?

Eine Hörprobe finden Sie hier.

 

 

Geschichten und Bilder in vier Farben ist ein literarischer Fotoband, entstanden als spontanes Projekt mit dem Fotografen Fabian Haas während des ersten Lockdowns im April. Und weil es uns das Projekt so einen Spaß macht, haben wir eine der Geschichten daraus auch gleich audiovisuell extrahiert. Es ist die Geschichte vom kleinen Drachen Gerrit, der den Schlaf sucht. Oder auch: Die organge Wiege.

Wer Saskias Gespenster gelesen hat, wird sie wiedererkennen: Die Geschichte stammt von dem (verstorbenen) Geschichtenerzähler Vladimir. Er hatte sie seiner Tochter Olga erzählen wollen, bevor er starb. Dieses Versäumnis, diese ach-so-wichtige Angelegenheit, die ihn in seinem Zustand zwischen Leben und Tod, gefangen hält, muss er nun mit Saskias Hilfe nachholen.

Und ja, das ist möglich. Alles ist möglich. Auch, dass Olga mich autorisiert hat, die Geschichte zu veröffentlichen, obwohl es sie nur fiktiv gibt – gibt es sie?

Viel Spaß beim Lesen, Hören, Schauen. Zum Vorlesen unter dem Weihnachtsbaum. Bestellungen sind direkt über mich möglich.

Mon cœur s’ouvre à ta voix Comme s’ouvre les fleurs Aux baisers de l’aurore!

Vor Publikum lesen – lang ist es her; umso mehr freuen wir uns auf einen ganz besonderen Abend, der Literatur und Gesang in den Mittelpunkt rückt:

Im Cellostudio Linz begegnen sich mit Corinna Antelmann und Dine Petrik (Literatur) und Yoon Mi Kim-Ernst (Mezzosopran) und Ki Yong Song Klavier) abermals Musik und Text. Auf dem Programm stehen unter anderem die Séguedille aus Carmen, Händels Lascia ch’io pianga und das Ave Maria von Schubert. Den literarischen Part übernehmen die Lyrikerin Dine Petrik, die aus ihrem Gedichtband Traktate des Windes liest, und Corinna Antelmann, in deren Roman Vier eine Klavierlehrerin sich während der Proben zum Ave Maria in Variationen der Liebe verliert.

Wo soll das hinführen, wenn man den Tönen erlaubt, miteinander zu kopulieren?

Hier gibt es einen Probeneinblick in den kommenden Abend, der am 27. August um 19 Uhr im Cellostudio Linz stattfinden wird, finden Sie hier, und da wir aufgrund der Maßnahmen in Bezug auf Covid19 nur gering bestuhlen können, wird es die Möglichkeit zum Nachhören des gesamten Abends geben. Schon bald auf dieser Seite …

Ermöglicht wird die Veranstaltung durch die Grazer Autorinnen Autoren Versammlung.

Es ist soweit: Das Buch ist nun erhältlich! Spargel in Afrika liegt in wundervollem Gewand vor – Monika Fuchs sei Dank.

Alle machen wir irgendwann die Erfahrung, in der Generationenfolge aufzurücken und den Platz der Eltern einzunehmen. Vom Genährtwerden zum Nähren. Vom Reden zum Schweigen. Und passend zur druckfrischen Neuerscheinung gibt es außerdem bereits einen Höreindruck in der Sendereihe Aufören – Literatur zum Wochenausklang, gesprochen von Gunther A. Grasböck, für dessen Engagement ich mich hiermit bedanke.

Es handelt sich hier um die siebte Folge der Sendereihe des Freien Radios Freistadt, in der Ausschnitte meiner diversen Werke vorgestellt werden.

Im August erscheint Spargel in Afrika in der Prosafassung im Monika Fuchs Verlag. Geschrieben für Thomas Bammer in der Rolle des Sohnes wurde die Bühnenfassung nach seiner Uraufführung am Landestheater Linz bereits mehrfach aufgeführt; nun liegt der (längere) Text vor.

Für alle, die sich wiederfinden in einer leisen, persönlichen Erzählung zwischen Melancholie und Ironie. Hier findet ein Monolog statt, der sich als Dialog verkleidet, als wortreiche und zugleich sprachlose Auseinandersetzung eines fürsorglichen Sohnes mit seinem lebensmüden, neunzigjährigem Vater, der im Krankenhaus liegt und sterben wird. Der Sohn spürt, dass auch er älter und in der Generationenfolge den Platz seines Vaters einnehmen wird. Während dieser womöglich letzten Begegnung berühren beide das Thema des Nährens und Genährt-Werden als universelles Bedürfnis des Menschen. Gemeinsame Essens-Erinnerungen helfen ihnen, eine Übereinstimmung zu finden, dort, wo es unmöglich geworden zu sein scheint, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu verbalisieren.

Was fehlt dir, Vater?, frage ich ihn und gebe mir die Antwort selbst: Nichts natürlich. Du hast alles, was du brauchst.

Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral, schrieb Bertolt Brecht in der Dreigroschenoper und traf damit offenbar eine Wahrheit, die dem Satz den Status des geflügelten Wortes einbrachte.

Wie gut also, wenn Fressen und Moral am diesem Tag im Herbst (unter strahlender Sonne) so nah beieinander liegen wie auf dem Bauernmarkt in Wels: Am achten November diesen Monats lud die Welser Stadtschreiberin Marlen Schachinger Kollege Peter Huemer, Geschichtenerzählerin Ursula Laudacher und mich zu einem direkten Marktverkauf ein.

Literatur = Moral? Ich sehe die kritischen Augen, die mich in diesem Punkt verfolgen…

Dennoch, es stimmt: Literatur nährt den menschlichen Organismus auf nachhaltige Weise – als etwas, das bleibt und nachwirkt bis in den Tod (wir haben November). Und: Produkt Buch selbst bleibt beständiger, nachdem es sich einverleibt wurde, als es ein Bauernkrapfen je könnte (der zugebenermaßen die Sinne auf andere Art zu befriedigen weiß). In Bertolt Brechts Nachlass fand sich ein Gedicht, in dem er all die Dinge beschrieb, die er liebte, darunter dies:

Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen/ Das wiedergefundene alte Buch […] Reisen, singen/ Freundlich sein.

Da Bücher nur selten auf dem Markt zu finden sind, aber Weihnachten auch dieses Jahr kommen wird: die Türen in den Buchhandlungen sind leicht zu finden. Und zu öffnen auch.

Auf Einladung von Sylvia Eultiz gastierten Irene Kepl und ich im Salon 27 in Berlin, um unser Programm KA Punkt vorzustellen. Für uns beide war dieser Abend wie immer eine Bereicherung und eine große Freude, ihn gemeinsam zu bestreiten.

Irenes Improvisationen der Neuen Musik und meine Literatur erkunden mögliche Gemeinsamkeiten im Kreisen, im Suchen, in dem Bedürfnis, keinen Erwartungen entsprechen zu wollen, aber gleichsam das Angebot in den Raum zu stellen, sich einzulassen auf die Frage: Was stellt sich her? Was erzählt sich jenseits von Melodie und Plot? Wo ergänzen und entsprechen sich die Klangräume und auch die Inhalte?

Es entspann sich ein anregendes Gespräch über Erwartungshaltungen, Mozart und Neue Musik, Krimi und Thomas Bernhard und nährte unseren Wunsch, weiterzuexperimentieren, zu forschen, zu erkunden: eben so, wie es Musik und Literatur seit jeher tun.

Die Komponistin und Geigerin Irene Kepl und ich haben uns zusammengefunden, um Violinenspiel und Romanauszüge zu einem textuellen Gewebe aus Musik und Sprache, Improvisation und Gedrucktem zu verbinden.

KA PUNKT

„Öffne deinen Schädel doch nur einen Spalt, damit ich deinen
Geist ertasten kann. Ich kann mir diese Textzeile gut merken,
da ich sie immer melodisch gesetzt höre und Musik
bekanntlich hilfreich ist in Sachen Erinnerung oder auch: verfälschter Erinnerung.“
(Corinna Antelmann, Drei Tage Drei Nächte. Roman, Septime 2018)

Zugrunde liegt dem Programm der Roman Drei Tage drei Nächte (Septime-Verlag, März 2018). Hierin bewegt sich die Protagonistin um ihre Gedanken kreisend; Irene Kepl wurde kürzlich die CD von Violet Spin veröffentlicht (unit records, 2018), letztes Jahr hat sie u.a. sehr erfolgreich ihre erste Solo-CD SololoS (fou records, 2017) herausgebracht und arbeitet aktuell bereits an neuen Solo-Aufnahmen, die sich mit eigenen Kompositionen, Improvisationen und Bachs Solosonaten auseinandersetzen.

Letzter Auftritt: 29.11., 19.30 im kunstBetrieb, Klostergasse 11-13 (Ecke Kreuzgasse 64), A-1180 Wien

Eine Leseprobe aus dem Roman finden Sie hier.

„Selbst der Plastiksack eines Einkaufszentrums kann Anlass für ihr Entzücken sein“, schreibt Peter Turrini in einem Liebesgedicht über das Verhalten von Verliebten. Diese Wahrheit wiederum entzückt mich. Und dass ich im Café des Schloss Wartholz lesen konnte, in dem Peter Turrini 2007 den Literatursalon eröffnete, entzückte mich ebenso – wenngleich auf andere Weise. Vergleichbar jedoch ist die Freude am geschriebenen Wort mit dem Lesen von Worten, die von einem derart aufmerksamen Publikum aufgenommen werden.

Es war mir eine ausgsprochene Ehre, hier aus Drei Tage drei Nächte lesen zu dürfen und anschließend anregende Gespräche zu führen. So möchte ich Herrn Blazek für die Einladung danken und Frau Rath für die lebendige Betreuung und allen Zuhörerinnen für das gemeinsame Erleben.

Verliebt habe ich mich in den gemeinsam betretenen und eröffneten Raum. Entzückt haben mich die Reaktionen.

Die Lesung fand am 31.08.2018 im Literatursalon/ Cafè-Restaurant Schloss Wartholz statt.

Sollen wir AutorInnen fortgehen, um woanders bessere Bedingungen vorzufinden? Nur: Was wäre, wenn es nirgendwo ein Literaturland gäbe in dem Sinne, was wir darunter verstehen würden? Wie sähe das Land aus, das sich für Literatur interessiert, Literatur lebt, Bezüge zur Literatur herzustellen imstande ist? Ein Land, in dem Literatur praktiziert wird, indem sie nicht allein geschrieben, sondern zudem kommentiert wird und sichtbar gemacht in der Öffentlichkeit?

Ein schönes Land.

Seit zehn Jahren lebe ich in Oberösterreich und teile den Eindruck alteingesessener KollegInnen, dass sich hier um Literatur wenig geschert wird, ebenso wenig allerdings wie in Hamburg, wo ich den Großteil meines Erwachsenenlebens zugebracht habe und Literatur gern ausschließlich als Groß-Event eingesetzt wird, oder gar in Bremen, meiner Geburtsstadt, zu schweigen vom Ammerland, wo ich zuletzt gewohnt habe.
Vielleicht ist es so, dass die Literatur nur von innen kommen kann, von uns, die wir Literatur zu schaffen versuchen, und all jenen, die in und mit ihr leben, und ihr über ihre Liebe zu ihren noch unbewohnten Welten einen Weg in die sogenannte Wirklichkeit bahnen, unabhängig von allen Gegebenheiten. Wenn wir auf die Literatur als Raum der Möglichkeiten vertrauen, sorgen wir dafür, dass sich diese Räume auch auftun, daran will ich glauben. Vermutlich ist das der einzige Weg, den wir gehen können, denn das Außen ist träge und interessiert sich zunächst für das bereits Vorgefundene, sprich: Gegebenheiten, die sich bereits bewährt haben, wie zum Beispiel: Literatur als touristische Attraktion an der Elbe, KünstlerInnenfeste als fotogenes Motiv der Parteienwerbung, Literatur als Unterhaltungsmedium für auswärtige Gäste.

Mit den Räumen des Möglichen verhält es sich wohl so, dass sie erst geboren und dann betreten werden, und da sie pränatal nicht zu besichtigen sind, sieht es dunkel aus mit der finanziellen Absicherung für das Nicht-Geborene. Das sagt mir meine Erfahrung, egal in welchem Land, und ja, unsere finanzielle Situation ist desaströs – keine Außenstehenden können sich das Ausmaß der Erniedrigung vorstellen, solange sich Wert nach Geld bemisst. Ich denke , dass dies in Oberösterreich ebenso gilt wie in New York, was Oberösterreich nicht von der Verantwortung für die Kunstschaffenden entbinden sollte, ebenso wenig wie New York, aber mir die Verantwortung belässt, meine Arbeit zu tun, weil ich sie tun will.

Ich lese gerade wieder einmal in Just Kids von Patti Smith, die von New Jersey nach New York geht, um Künstlerin zu werden, wohl wissend, dass ihr schwere Zeiten bevorstehen, brotlose Zeiten und harte Arbeit. Zweierlei interessiert mich daran. Erstens: Warum überhaupt New York, wenn die Situation des Künstlers, der Künstlerin überall gleich ist und sich die Konkurrenz in Städten wie New York oder Berlin im Gegenteil zudem auf den Füßen steht? Mein Versuch einer Antwort: Um Gleichgesinnten zu begegnen, die sich gegenseitig unterstützen, auch einmal, indem sie einfach ihr Brot teilen. Um einander Impulse zu geben, die Arbeit zu koordinieren, Räume zu schaffen, in denen sich begegnet werden kann und die Arbeite besprochen, Räume wie zum Beispiel das Chelsea Hotel. Das macht das New York dieser Jahre zu einem Kunst- und Literaturland: die Leute, das Vermögen, sich mit-teilen zu können im Unfertigen, während des Werdens, auf dem Weg, innerhalb des Prozesses, in der gegenseitigen Wertschätzung der eigentlichen Arbeit, die ansonsten versagt bleibt. Vielleicht ist es das, was mir hierzulande fehlt (und in Hamburg auch): der geistige Austausch, das Verständnis, das dieser Art der Arbeit, wie wir sie jeden Tag unverdrossen (?) tun, entgegengebracht wird.
Patti Smith lehnt nach ihrer ersten öffentlichen (erfolgreichen) Lesung in Folge einen Plattenvertrag ab, weil sie in der Biografie von Crazy Horse liest, er glaube, er werde im Kampf siegreich bleiben, doch sobald er innehalte, um auf dem Schlachtfeld Beute an sich zu nehmen, sei er verloren.
Patti Smith wollte sich nicht aneignen, das ihr nicht zustand.

Ich mag den Gedanken, nicht innezuhalten und nicht träge zu werden. Wo ist unser Chelsea Hotel? Ist Fortgehen die einzige Möglichkeit, es zu finden?

Veranstaltungen

Angeregt durch die Frage, wo das Werk und das Leben einander berühren, spüren wir der Position des Künstlers, der Künstlerin nach, indem der Musiker Reinhold Gliere seinen Platz neben der Malerin Gabriele Münter findet, ergänzt durch literarische Betrachtungen zum Thema.
Musikalische Lesung mit den Autorinnen Corinna Antelmann und Judith Gruber-Rizy, dem Violinisten Tokio Takeuchi und dem Cellisten Christoph Ernst.

#ArtInQuarantine
 
Nach der Osterpause möchte ich abermals eine Donnerstag-Lesung anschließen. Der Auferstehung geht die Einkehr Jesus vorweg, der Weiterentwicklung des Menschen die Begegnung mit dem eigenen Selbst. Und so passt Ostern unter Umständen hervorragend in diese Zeit (unfreiwilliger) Abschottung. Irgendwann werden wir voraussichtlich effektive Behandlungsmethoden gegen das Virus entwickelt und gleichermaßen vielleicht dennoch die Erkenntnis gewonnen haben, dass der Mensch nie die Kontrolle über die Quelle des Lebens erlangen kann – dies ist ein Grundprinzip.
Ich werde Auszüge aus verschiedenen Texten von mir lesen, in denen es stets um den Weg ins Licht geht (als Symbol des Erkenntnisgewinns?). Ein Osterthema also, das jedoch immer wieder auch in der Literatur zu finden ist – als Antrieb der Figur zur Erkenntnissuche.
Ein dunkler Gang bringt einen immer ins Licht, ist es nicht so, denke ich und meine damit Geburt und Wiedergeburt und all die schweren Sachen, die in der Musik nichts wiegen. (las almas del tango, Verlag Nina Roiter e.U., 2017)
Freue mich auf eine weitere Lesung mit euch, wenngleich noch immer im virtuellen Raum.
Beitragsbild: Dominika Meindl

 

 

#ArtInQuarantine
 
Ich werde zwei in sich geschlossene Texte zum Thema WAND lesen, weil wir ja nun viel, viel Zeit zwischen den Wänden verbringen, und hier kann so allerhand passieren (sie sprechen …; sie schließen uns ein …).
 
Ich stelle fest, ich habe häufiger über Wände geschrieben, zum Beispiel über eine Mutter, die orientierungslos und von unbestimmter Sehnsucht getrieben durch das Haus tigert, weil sie nicht weiß, wohin mit ihren Gedanken, und sich dabei doppelt isoliert fühlt: innerhalb der Wände ihres Kopfes und innerhalb der vier Wände ihrer Wohnung, ergibt insgesamt acht Wände. Die Rechnung geht nicht auf, denn glücklicherweise ist der Kopf, anders als das Handy, nicht rechteckig, sondern rund und eignet sich zum Denken, und da das Runde die perfekte Form ist, kann dieses Denken sogar die Richtung wechseln, was allerdings selten geschieht (Drei Tage drei Nächte, Septime Verlag, 2018)
 
Das ändert sich ja jetzt.